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 | 10-12-08 | winterspelt 2044

Markt und Straßen stehn verlassen
Schwach erleuchtet noch ein Haus
Wachsam geh ich durch die Gassen
Alles sieht so friedlich aus
 
In die Fenster haben Frauen
Dünnes Sperrholz eingedrückt
Und die Kinder stehn und schauen
Hab'n die Messer still gezückt
 
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins off'ne Feld
Stählnes Glänzen, kaltes Schauern
Wie so weit und still die Welt
 
An den Pfählen hoch die Schlingen
Aus des Schnees Einsamkeit
Ragen herrenlose Klingen
O, du gnadenlose Zeit
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 | 10-12-07 | fachkräftemangel

Es kommt ein Schiff, geladen
Bis an sein’ höchsten Bord
Doch das macht uns kein Schaden
Denn wir, wir schicken's fort
 
Das Schiff geht still im Triebe
Es trägt ein teure Last
Ach, das es doch nur bliebe
Wo es die Fracht gefasst
 
Der Anker haft’ auf Erden
Da ist das Schiff am Land
Die armen Schlucker werden
Schon liegen bald am Strand
 
Zu Bethlehem geboren
Im Stall ein Kindelein
Die Mutter hat's verloren
Denn Sicherheit muss sein
 
Und wer dies Kind mit Freuden
Umfangen, küssen will
Der muss das Tauchen leiden
Da unten ist's recht still
 
Danach mit ihm auch sterben
Und geistlich auferstehn,
Die Mutter findt zwei Scherben
So löst sich das Problem
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 | 11-12-06 | recht ruppig

Von drauß’ vom Walde komm ich her
Ich muß euch sagen, den gibt es nicht mehr
Allüberall auf den Memory-Sitzen
Sah ich bronzene Menschlein schwitzen
 
Und droben aus dem Himmelsthor
Drang mit großer Hitze die Sonne hervor
Und wie ich so schritt über staubigen Grund
Da rief’s mich an aus finsterem Mund:
Recht ruppig ist es, alter Gesell
Halte die Luft an und spute dich schnell!
 
Der Himmel fängt zu brennen an
Das Ozonloch ist weit aufgethan
Alt’ und Junge sollen nun
Sich auf die letzte Reise tun
Und morgen fliegt in die Luft, die Erden
Denn es soll wieder Leben werden!
Ich sprach: O lieber Herre Christ
Meine Reise fast zu Ende ist
Ich soll nur noch in diese Stadt
Wo’s eitel dumme Fatzke hat
 
Hast denn die Sense auch bei dir?
Ich sprach: Die Sense die erspar ich mir:
Denn Asche, Glut und Caesiumkern
Fressen dumme Fatzke gern
 
Hast denn die Maske auch bei dir?
Ich sprach: Die Maske, ja die trag ich hier:
Beizeiten werd ich sie aufsetzen
Will ich mich doch nicht selbst verätzen
Die Stimme sprach: So ist es recht
So geh zu ihnen, treuer Knecht!
 
Von drauß’ vom Walde komm ich her
Ich muß euch sagen, den gibt es nicht mehr
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find’!
Ob's strampeln noch, ob's tot schon sind?
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 | 11-11-26 | bad bank

Auf einer Bank ein König
Simsalabimbambasaladusaladim
Auf einer Bank ein König saß
 
Da kam bei ihm die Krise
Simsalabimbambasaladusaladim
Da kam bei ihm die Krise an
 
Die trieb den alten König
Simsalabimbambasaladusaladim
Die trieb den alten König fort
 
Und als er bald vergessen
Simsalabimbambasaladusaladim
Und als er bald vergessen war
 
Da war ein neuer König
Simsalabimbambasaladusaladim
Da war ein neuer König da
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 | 10-11-12 | kein leben

Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Was, wenn es kein Leben im richtigen gibt?
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 | 10-09-16 | klientelpolitik

Berlin. Das Bundeskabinett hat heute eine Gesetzesnovelle vorgelegt, nach der neben den bisher betroffenen schwangeren Alphornisten mit einem Jahresbruttoeinkommen von über 500.000 Euro auch kriegsversehrte Neugeborene mit gleichem Einkommen von der Vermögenssteuer erfasst werden sollen. Aus dem Bundesfinanzministerium verlautete zur Begründung, auch künftige Generationen dürften nicht aus der Verantwortung entlassen werden.
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 | 10-05-30 | [ohne titel]

Manchmal, wenn meine Augen
So tun als wären sie geschlossen
Dann wandern meine Blicke
Zum Vergangenen.

Dann steh ich wieder
Die Arme auf der kalten Fensterbank
In meinem Zimmer, das nach hinten raus
Nur von zwei Scheiben Glas von Dorf und Herbst getrennt.

Dann steh ich wieder
Dort und schau mit grummeligem Bauch
Auf unsern Garten, auf die Wiesen und den Wald
Und wenn, weil meine Heizung nicht genügt,
Ein kurzer Schauer über meinen Rücken jagt
Dann ist er da, der Hunger nach dem Wald und was dahinter kommt.

Ich bin schon eine ganze Weile dahinter
Gekommen und wenn ich hungrig
Meinen Augen befehle wieder zu gehorchen
Dann fühle ich mich dumm und kitschig.
Ich habe keine Fensterbank
Kein Doppelglas
Ich habe keine Heizung
Keine Wiese und kein' Wald
Ich habe keinen Garten
Keinen Herbst

Ich habe keinen Garten.
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 | 10-05-22 | pot für den tiger

"Pi-zze-ria I-ta-lia", las der kleine Bär. "Die Kiste kommt aus Italien und riecht nach Pizza. Oh, Italien ist das Land meiner Träume.", sagte der kleine Bär. "Mit Pilzen. Dein Gesicht mit Pilzen.", kicherte der Tiger vor sich hin und zog den Rest weg.
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 | 06-07-28 | sag zum abschied leise seelachs

Nicht aus direkter Bedrohung, nur so aus Gelegenheit, schoss es mir heute durch den Kopf, man solle keinstenfalls sein Lieblingsgericht als Henkersmahlzeit wählen. Denn nicht vieles kann einem das Leben so versauen wie ein schlechtes Steak zum Schluss. Dann doch vielleicht Fischstäbchen.
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 | 06-07-17 | nur ein draum

Ein Traum. Ich stehe vor der Türkendisco. Warum, woher soll ich das wissen. Der überdurchschnittlich normale Türsteher baut sich vor mir auf und gibt mir zu verstehen: "Bedaure, aber mit Ihrer momentanen Bekleidungswahl treffen Sie nicht den gewünschten Stil des Hauses. Ich darf Sie daher bitten zu gehen." Klar, ein Traum. Ich schaue an mir herunter und mein Blick bleibt auf meiner Brust hängen. Der Mann hat recht. Tippfehler-T-Shirt. Beschämt drehe ich mich um und gehe.
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 | 06-06-25 | christiansen f.

Macht doch den Jauch zum Christiansen-Nachfolger. Austauschen vorgefasster Statements am Sonntagabend statt Familie am See in Potsdam muss sein Traum sein. Und ich dachte, man hätte die Prostitution vom Zoo verdrängt.
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 | 06-05-21 | die bürgschaft

"Ich aber nun, ich", sprach der Frosch, "gehe heim. Der Storch ist tot. Lang lebe der Storch."
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